Salonkultur gestern - Die Tradition der Salons

Im Salon vermischten sich reizvoll Privates und Gesellschaftliches. Hier wurden die Schranken der jeweiligen Zeit überwunden: Gemeinsame Interessen brachten Adel und Bürger, Namhafte und Unbekannte, Wohlhabende und Brotlose zusammen.

Ab dem 16. Jahrhundert luden in Frankreich adelige Damen, später auch reiche Bürgerinnen zu ihren Salons. Während zunächst die Kunst der Konversation immer weiter verfeinert wurde, rückten im Verlauf des 18. Jahrhundert gesellschaftliche und politische Themen in den Vordergrund. In den Pariser Salons wurden die Gedanken der Aufklärung diskutiert und verbreitet, Voltaire und Diderot fanden Anklang und Inspiration.

Politische Bedeutung erlangten die Salons während der französischen Revolution. Im Salon der Madame de Staël entstand in weiten Teilen die erste Verfassung der Republik. Napoleon schließlich fürchtete den Einfluß dieser klugen Frau so sehr, dass er sie verbannte.

In Deutschland waren die Salons stärker künstlerisch geprägt und stehen insbesondere mit der Literatur in enger Beziehung. Caroline Schlegel-Schelling, Henriette Herz, Rahel Varnhagen und andere haben in ihren Salons Entstehung und Entwicklung der Romantik maßgeblich gefördert. Ihre Namen sind in dieser geistesgeschichtlich außergewöhnlichen Epoche von besonderem Klang.

Mit der Restauration und der damit einhergehenden massiven Einschränkung politischer Betätigung wurden auch die Salons privater. Man musizierte, las oder spielte Dramen und bewegte sich dabei auf teils laienhaftem, teils anspruchsvollen Niveau. Junge Künstler erschlossen sich Protektion und Publikum.

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bestanden Salons als Treffpunkt von Literaten, Politikern, Philosophen, Künstlern und interessierten Bürgern. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden einige Salons weitergeführt, unter Hitlers Diktatur riss diese Tradition jedoch ab.

"Beeilen wir uns, die Philosophie unter die Leute zu bringen."

- Denis Diderot -